Kontenrahmen KMU: der Schweizer Kontenplan einfach erklärt

Der Kontenrahmen KMU ordnet jede Buchung einem vierstelligen Konto zu, von 1000 Kasse bis 9200 Jahresgewinn. Hier finden Sie die neun Kontenklassen, die wichtigsten Konten für Kleinfirmen und Buchungsbeispiele zum Nachmachen.

  • Kontonummern geprüft am 3. November 2026
  • Quelle: Kontenrahmen KMU, Schulversion

Kurz gesagt

Was der Kontenrahmen KMU ist

Ein einheitliches Nummernsystem für die Buchhaltung Schweizer Firmen. Jedes Konto hat vier Ziffern, die erste zeigt die Kontenklasse.

9 Klassenvon 1 Aktiven bis 9 AbschlussKontenrahmen KMU
4 Ziffernpro Konto, zum Beispiel 1020 BankguthabenKontenrahmen KMU
1 und 2Bilanzkonten: was die Firma hat und schuldetAktiven und Passiven
3 bis 8Erfolgskonten: Ertrag und Aufwand des JahresErfolgsrechnung
Kontenrahmen und Kontenplan

Der Kontenrahmen ist das Muster für alle. Ihr Kontenplan ist die Auswahl, die Ihre Firma tatsächlich braucht. Einen bestimmten Kontenplan schreibt das Gesetz nicht vor, wer doppelt bucht, braucht aber einen.

Kontenklassen

Die 9 Kontenklassen im Überblick

Die Klassen 1 und 2 bilden die Bilanz, die Klassen 3 bis 8 die Erfolgsrechnung. Klasse 9 dient dem Abschluss.

  1. Aktiven

    Was die Firma besitzt: Kasse, Bank, Forderungen, Vorräte, Mobiliar, Fahrzeuge. Etwa 1020 Bankguthaben.

  2. Passiven

    Schulden und Eigenkapital: Lieferanten, Bank, MWST, Stamm- oder Eigenkapital. Etwa 2000 Kreditoren.

  3. Betrieblicher Ertrag

    Ertrag aus Lieferungen und Leistungen, also Ihr Umsatz. Etwa 3400 Dienstleistungserlöse.

  4. Material und Waren

    Aufwand für Material, Handelswaren, Dienstleistungen und Energie. Etwa 4200 Handelswarenaufwand.

  5. Personalaufwand

    Löhne und Sozialversicherungen der Angestellten. Etwa 5000 Lohnaufwand.

  6. Übriger Aufwand

    Übriger betrieblicher Aufwand, Abschreibungen und Finanzergebnis. Etwa 6000 Raumaufwand.

  7. Nebenerfolg

    Betrieblicher Nebenerfolg, zum Beispiel aus einem Nebenbetrieb. Etwa 7000 Ertrag Nebenbetrieb.

  8. Betriebsfremd

    Betriebsfremder, ausserordentlicher, einmaliger oder periodenfremder Aufwand und Ertrag. Dazu 8900 Direkte Steuern.

  9. Abschluss

    Konten für den Jahresabschluss. Etwa 9200 Jahresgewinn oder Jahresverlust.

Bilanz und Erfolg

Bilanzkonten und Erfolgskonten unterscheiden

Wer diesen Unterschied verstanden hat, versteht jeden Buchungssatz. Bilanzkonten zeigen Bestände, Erfolgskonten zeigen Bewegungen eines Jahres.

Bilanzkonten, Klassen 1 und 2

  • Zeigen den Bestand an einem Stichtag
  • Der Saldo geht ins neue Jahr über
  • Aktiven nehmen im Soll zu, Passiven im Haben
  • Zum Beispiel Bank, Debitoren, Kreditoren, Stammkapital

Erfolgskonten, Klassen 3 bis 8

  • Zeigen, was im Jahr verdient und ausgegeben wurde
  • Beginnen jedes Jahr wieder bei null
  • Aufwand steht im Soll, Ertrag im Haben
  • Zum Beispiel Dienstleistungserlöse, Löhne, Miete
Eigenkapital je nach Rechtsform

Bei der Einzelfirma stehen auf 2800 das Eigenkapital zu Beginn des Jahres, auf 2850 das Privatkonto und auf 2891 der Jahresgewinn. Bei der GmbH stehen auf 2800 das Stammkapital, auf 2950 die gesetzliche Gewinnreserve und auf 2970 der Gewinnvortrag.

Wichtige Konten

Die Konten, die Kleinfirmen am häufigsten brauchen

Auszug aus dem Kontenrahmen KMU, Schulversion, mit Beispielen aus dem Alltag einer Kleinfirma.

Nr.Bilanzkonten, Klassen 1 und 2
1000Kasse
Bargeld in der Geschäftskasse
1020Bankguthaben
Geschäftskonto bei der Bank
1100Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (Debitoren)
offene Rechnungen an Kunden
1170Vorsteuer MWST Material, Waren, Dienstleistungen, Energie
MWST auf Einkäufen der Klasse 4
1171Vorsteuer MWST Investitionen, übriger Betriebsaufwand
MWST auf Büromaterial, Geräten, Software
1200Vorräte
Warenlager und Material
1520Büromaschinen, Informatik, Kommunikationstechnologie
Laptop, Drucker, Telefonanlage
1530Fahrzeuge
Geschäftsauto, Lieferwagen
2000Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (Kreditoren)
offene Rechnungen von Lieferanten
2200Umsatzsteuer
MWST, die Sie Ihren Kunden verrechnet haben
2201Abrechnungskonto MWST
Abrechnung mit der ESTV
2270Sozialversicherungen und Vorsorgeeinrichtungen
noch zu zahlende Beiträge an AHV und Pensionskasse
2800Stammkapital (GmbH) oder Eigenkapital (Einzelfirma)
bei der GmbH mindestens CHF 20'000
Nr.Erfolgskonten, Klassen 3 bis 8
3200Handelserlöse
Verkauf von Waren
3400Dienstleistungserlöse
Honorare, Stunden, Pauschalen
4200Handelswarenaufwand
Einkauf von Waren für den Wiederverkauf
5000Lohnaufwand
Bruttolöhne der Angestellten
5700Sozialversicherungsaufwand
Arbeitgeberbeiträge an AHV, ALV, Pensionskasse
6000Raumaufwand
Miete für Büro, Werkstatt oder Laden
6200Fahrzeug- und Transportaufwand
Treibstoff, Service, Transporte
6300Sachversicherungen, Abgaben, Gebühren, Bewilligungen
Betriebshaftpflicht, Gebühren
6500Verwaltungsaufwand
Büromaterial, Porto, Telefon
6570Informatikaufwand inkl. Leasing
Software-Abos, Hosting
6600Werbeaufwand
Inserate, Werbung
6800Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Positionen des Anlagevermögens
Wertverlust von Geräten und Fahrzeugen
8900Direkte Steuern
Gewinn- und Kapitalsteuer der GmbH

Buchungsbeispiele

So buchen Sie mit dem Kontenrahmen

Ein Buchungssatz nennt zuerst das Konto im Soll, nach dem Schrägstrich das Konto im Haben. Die Beispiele stammen aus einem MWST-pflichtigen Grafikatelier in Bern, das effektiv abrechnet.

Rechnung an einen Kunden

Logo und Flyer für CHF 2'000 plus 8,1 % MWST, total CHF 2'162.00:

1100 Debitoren / 3400 Dienstleistungserlöse: CHF 2'000.00

1100 Debitoren / 2200 Umsatzsteuer: CHF 162.00

Zahlungseingang

Der Kunde zahlt die Rechnung aufs Geschäftskonto:

1020 Bankguthaben / 1100 Debitoren: CHF 2'162.00

Miete

Die Miete für das Atelier, CHF 1'800 ohne MWST, geht per Bank weg:

6000 Raumaufwand / 1020 Bankguthaben: CHF 1'800.00

Büromaterial mit Vorsteuer

Druckerpapier und Toner für CHF 200 plus 8,1 % MWST, bar bezahlt:

6500 Verwaltungsaufwand / 1000 Kasse: CHF 200.00

1171 Vorsteuer / 1000 Kasse: CHF 16.20

Nicht MWST-pflichtig?

Dann fallen die Konten für Vorsteuer und Umsatzsteuer weg, und Sie buchen alle Beträge brutto. Wer mit dem Saldosteuersatz abrechnet, bucht anders als im Beispiel. Mehr zur MWST unter MWST Schweiz.

Kontenplan anpassen

So machen Sie aus dem Kontenrahmen Ihren Kontenplan

Der Kontenrahmen ist ein Gerüst. Ihren Kontenplan leiten Sie daraus ab: Sie nehmen die Konten, die Sie brauchen, und ergänzen eigene.

  • WeglassenEin Coiffeursalon braucht kein Konto für Produktionserlöse. Unbenutzte Konten blenden Sie aus.
  • Unterkonten einfügenWer zwei Bankkonten hat, führt zum Beispiel 1020 und 1021. Umsätze nach Bereich trennen Sie mit eigenen Nummern in der Gruppe 3400.
  • Die Logik behaltenNeue Konten gehören in die passende Klasse und Gruppe. So findet sich auch Ihr Treuhänder sofort zurecht.
  • Rechtsform beachtenDas Eigenkapital sieht bei Einzelfirma und GmbH anders aus. Mehr dazu unter Buchhaltung GmbH und Buchhaltung Einzelfirma.
Inhaber einer kleinen Firma richtet am Laptop den Kontenplan seiner Buchhaltung ein
Neues Unterkonto1021 Bank Sparkonto
Klasse 1 beibehaltenAktiven bleiben Aktiven

Software

Buchhaltungsprogramme mit fertigem Kontenplan

Den Kontenplan müssen Sie nicht abtippen. Schweizer Buchhaltungsprogramme bringen einen mit, und im Alltag wählen Sie oft gar kein Konto selbst.

  • Kontenplan vorbereitet. bexio bringt standardisierte Kontenpläne mit, die Sie anpassen und erweitern können.
  • Buchungen im Hintergrund. Sie schreiben eine Rechnung, das Programm bucht auf Debitoren, Erlöse und Umsatzsteuer.
  • MWST vorbereitet. Vorsteuer und Umsatzsteuer landen auf den richtigen Konten, das MWST-Formular füllt sich laufend.
  • Zusammenarbeit mit dem Treuhänder. Er bekommt einen eigenen Zugang und arbeitet mit Ihrem Kontenplan.

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Fragen

Häufige Fragen zum Kontenrahmen KMU

Die Kontonummern stammen aus der Schulversion des Kontenrahmens KMU auf dem KMU-Portal des Bundes, Stand November 2026.

Antworten

Ist der Kontenrahmen KMU Pflicht?

Nein. Das Gesetz verlangt eine ordnungsmässige Buchführung, aber keinen bestimmten Kontenplan. Der Kontenrahmen KMU ist in der Schweiz trotzdem verbreitet, weil Schulen, Treuhänder und viele Programme damit arbeiten.

Wie viele Kontenklassen hat der Kontenrahmen KMU?

Neun: 1 Aktiven, 2 Passiven, 3 betrieblicher Ertrag, 4 Aufwand für Material, Waren und Dienstleistungen, 5 Personalaufwand, 6 übriger betrieblicher Aufwand, 7 betrieblicher Nebenerfolg, 8 betriebsfremder und ausserordentlicher Erfolg, 9 Abschluss.

Welche Kontonummer hat die Bank?

Bankguthaben stehen auf Konto 1020, Bargeld auf 1000 Kasse. Schulden bei der Bank gehören auf die Passivseite, Konto 2100 Bankverbindlichkeiten.

Auf welche Konten buche ich die MWST?

Die MWST auf Ihren Verkäufen auf 2200 Umsatzsteuer. Die Vorsteuer auf Einkäufen auf 1170 (Material, Waren, Dienstleistungen, Energie) oder 1171 (Investitionen und übriger Aufwand). Für die Abrechnung gibt es das Konto 2201.

Braucht eine Einzelfirma einen Kontenplan?

Mit einem Milchbüchlein nicht, das ist bis CHF 500'000 Umsatz erlaubt. Wer doppelt bucht, freiwillig oder weil der Umsatz höher ist, braucht einen Kontenplan. Typisch für die Einzelfirma ist das Privatkonto 2850.

Wo bekomme ich den Kontenrahmen KMU?

Die Schulversion steht als PDF auf dem KMU-Portal des Bundes. Buchhaltungsprogramme wie bexio bringen einen fertigen Kontenplan mit, den Sie anpassen können.

Quellen und Stand

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